Ein Hackathon für die Industrie

Wie können kleine und große Unternehmen mit den Trends der Digitalisierung und Industrie 4.0 Schritt halten? Mit einer ungewöhnlichen Aktion macht der Textilmaschinenhersteller Brückner auf sich aufmerksam: Für einen zweitägigen Hackathon holt sich das mittelständische Traditionsunternehmen Start-Ups ins Haus, u.a. die Integrationsspezialisten von neogramm. Geschäftsführer Stephan Könn, Projektleiter Benjamin Anweiler und Entwickler Moritz Feil berichten von ihren Erfahrungen.

+++UPDATE: Als Aktion, die die Digitalisierung in kleinen und mittleren Projekten voranbringen soll, hat es der Hackathon unter Beteiligung von neogramm in die aktuelle Ausgabe der Produktion (2017/18) geschafft. Wir haben diesen Artikel daher mit Zitaten aus dem Bericht erweitert. Weitere Hinweise auf Berichte rund um die Arbeit von neogramm finden Sie in unserem Pressearchiv. +++

„Hackathons helfen dem Mittelstand, die digitale Transformation zu bewältigen.“

Stefan Bley, EY-Advisory-Partner

Industrie 4.0 und das Internet der Dinge seien Themen, die das Unternehmen sehr beschäftigen, berichtet der Geschäftsführer der Firma Brückner, Axel Pieper. „Doch ganz allein können wir diese harte Nuss nicht knacken.“ Die Ziele des Maschinenbauers sind vielfältig. Der Hackathon soll hier mit schnellen, konkreten Ergebnissen Hilfestellung leisten und neue Perspektiven eröffnen.

„Das Besondere an einem Hackathon im traditionellen Maschinen- und Anlagenbau ist das Tempo: In nur 1,5 Tagen präsentieren die ausgewählten Firmen digitale Projektideen (…) Gefragt waren neue Anwendungen, die einen konkreten Mehrwert für die Anwender schaffen (…)

So schloss das Mannheimer Start-up neogramm eine Wärmebildkamera an die Maschine an. Diese machte Fehler sichtbar und zeigte, wie nachjustiert werden muss“

aus: Digitale Innovation in kleinen und mittleren Betrieben in: Produktion 2017/18

Neben Kreativität verlangt das Format auch eine strenge Zielorientierung und jede Menge Pragmatismus. Begleitet wurde das spannende Pilotprojekt von Ernst&Young (EY). Einen Bericht über das 48-stündige Event mit zusätzlichen Hintergrundgesprächen können sie hier aufrufen. 

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Und wie erlebten die neogramm-Mitarbeiter die zwei Tage vor Ort? Wie kann das Konzept Hackathon dazu beitragen, die Herausforderungen der Zeit anzugehen?

Das Interview mit dem neogramm-Team

Alle harten Fakten in Sachen Hackathon stecken eigentlich schon im Namen: ein Dauerlauf in Sachen coding und engineering. Wenn man das Konzept „Hackathon“ mit drei Worten beschreiben müsste – welche drei Worte wären das?

SK: Spontan, innovativ, ausdauernd.

MF: Improvisation, Anspannung, Hacks.

Was bedeutet ein Hackathon für Industrieanwendungen ganz konkret? Welche Bedingungen und Aufgaben habt ihr vorgefunden?

BA: Aufgaben und Zielsetzungen waren offen gehalten. Eine große Spielwiese für Kreative, aber auch Theoretiker. Man muss darauf achten, sich nicht in Spielereien zu verlieren, sondern auch richtig anzupacken.

MF: Die Mitarbeiter bei Brückner hatten von der Unternehmensvorstellung und Werksführung bis zum Umfeld der Maschine alles gut vorbereitet und waren sehr hilfsbereit. Wir konnten rundum informiert durchstarten.

SK: Wir haben ein sehr gut vorbereitetes Unternehmen vorgefunden, das sich offensichtlich im Vorfeld viele Gedanken gemacht hat. Logisch, um den Nutzen für das eigene Unternehmen zu optimieren. Das hat mir gut gefallen, weil die Zeit der beteiligten Startups damit ja sehr ernst genommen wurde. Die Rahmenbedingungen mit Ansprechpartnern, der Verpflegung und dem Zugriff auf die Anlage waren auch sehr gut. In zwei Tagen von 0 an einen konkreten Nutzen zu generieren ist in Industrieanwendungen wahnsinnig schwierig. Hier kann man nur Konzepte und Ideen skizzieren. Oder eine konkrete Lösung schon vorbereitet haben. Das wurde teilweise von anderen Firmen gemacht – dann ist es für mein Verständnis aber kein Hackathon mehr. Wir wollten zeigen, dass man recht schnell Bildverarbeitung, Maschinendatenerfassung und intelligente Services verbinden kann. Im Prinzip (und mit etwas Vorstellungskraft) ist es uns gelungen.

Hattet ihr auch ganz persönliche Ziele?

SK: Ich wollte mal sehen, wie so ein Hackathon organisiert ist. Ich wollte Kontakt zur Fa. Brückner herstellen. Der Hintergrund des Hackathons war natürlich auch Industrie 4.0, da wollte ich wissen, was Brückner darunter versteht.

Noch ein Spielchen in Sachen Hackathon: Ich packe meinen neogramm-Koffer und nehme mit…?

BA: Unterhose, Socken, Zahnbürste.

MF: Laptop, Verlängerungskabel, Wechselkleidung.

Wo seht ihr die Stärken der Grundidee eines Hackathon? Kann der Hackathon etwas dazu beitragen, die Herausforderungen der Zeit anzugehen?

MF: Bei der Ideenfindung kann ein Hackathon wichtige Beiträge leisten.

SK: Häufig werden meiner Meinung nach neue Projekte nicht angegangen, weil der vermeintliche Aufwand dafür zu groß ist. Hier sehe ich wirklich eine Chance für das Prinzip, da man in relativ kurzer Zeit in interaktivem Austausch zwischen Kunden und Lieferanten vielleicht so etwas wie einen Proof of Concept erarbeiten könnte.

Warum sind Hackathons noch ein eher seltenes Mittel zur Innovationsförderung?

BA: Wenn man damit langfristig Erfolg haben will, müssen die Aufgabenfelder und Herausforderungen sehr konkret definiert werden – nur so kann man Potenzial freisetzen.

SK: Es setzt ein hohes Maß an Bereitschaft von allen Beteiligten voraus. Das ist wie immer ein knappes Gut.

MF: Bei hohem Aufwand werden Ergebnisse erzielt, die mit anderen Methoden auch erreicht werden könnten. Das ist eine hohe Hürde, alles steht und fällt mit der Vorbereitung.

Stellt euch vor, morgen wäre der nächste Hackathon: Welche Herausforderung würdet ihr euch am liebsten stellen?

MF: Ich würde gerne etwas Interessantes ausprobieren, wofür man im normalen Arbeitsalltag keine Zeit findet und was wenig priorisiert ist.

SK: Neues Unternehmen, neue Maschine, neue Probleme, neue Erwartungen – das ist Herausforderung genug!

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